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Said Ramin Rahimi | JUSTICE & WÜRDE; Willkommen in Bautzen e. V.

Veränderung durch Dialog: Wie zivilgesellschaftliches Engagement Sachsen prägt

Veränderung durch Dialog: Wie zivilgesellschaftliches Engagement Sachsen prägt

Ein Interview mit Said Ramin Rahimi – Jurist, Menschenrechtsaktivist und Gründer der Initiative JUSTICE & WÜRDE – über ein Sachsen, das ihm neben Herausforderungen mit Menschlichkeit und zivilgesellschaftlichem Engagement begegnet und darüber, wie Begegnung, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Teilhabe Brücken zwischen Menschen und Regionen baut.

Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Ich bin Said Ramin Rahimi – ein Mensch mit Migrationsgeschichte, der an Menschlichkeit, die Würde des Menschen und die Menschenrechte glaubt und sich gegen Rassismus und Extremismus in all seinen Formen einsetzt.

Ich verwende bewusst den Begriff „Mensch mit Migrationsgeschichte“, weil ich davon überzeugt bin, dass kein Mensch illegal ist. Unabhängig von Titeln, Nationalitäten oder geografischen Grenzen sind wir zunächst alle Menschen und besitzen den gleichen Wert, die gleichen Rechte und die gleiche Würde.

Deutschland ist zwar nicht das Land, in dem ich geboren wurde, aber nachdem ich Ende März 2022 gemeinsam mit meiner Mutter und meinem Bruder im Rahmen einer offiziellen Aufnahme durch die deutsche Bundesregierung nach Leipzig gebracht wurde, begann für mich ein neues Kapitel meines Lebens in diesem Land.

Auf persönlicher Ebene habe ich das Gefühl, in Bautzen neu geboren worden zu sein, in Dresden gewachsen zu sein und heute in Sachsen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu empfinden – nicht aus einer nationalistischen Perspektive, sondern aufgrund der Menschen, denen ich in dieser Region begegnet bin, der Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, und der menschlichen Beziehungen, die hier entstanden sind. Ich habe einen juristischen Hintergrund. In Afghanistan war ich als Strafverteidiger, Rechtsberater, Rechtsjournalist und Dozent für Verfassungsrecht tätig. Nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich meinen Weg in den Bereichen Recht, Menschenrechte,demokratische Bildung, bürgerschaftliche Teilhabe und gesellschaftlicher Dialog fortgesetzt.

 

In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?

Auf Grundlage meines juristischen Hintergrunds, der offiziellen Anerkennung meiner akademischen Qualifikationen in Deutschland, meiner beruflichen Erfahrungen sowie meiner nationalen und internationalen Tätigkeiten arbeite ich derzeit in verschiedenen Bereichen an der Schnittstelle von Recht, Menschenrechten, Demokratie und gesellschaftlich-politischer Teilhabe.

Seit Ende 2022 arbeite ich als juristischer Mitarbeiter im Bereich Migrations- und Verwaltungsrecht beim Verein Willkommen in Bautzen e.V.. In dieser Funktion unterstütze ich Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte bei rechtlichen und administrativen Fragen, begleite sie in Verwaltungsverfahren, unterstütze die Kommunikation mit Behörden und trage dazu bei, dass Menschen Zugang zu Informationen und ihren gesetzlichen Rechten erhalten.

 

Gleichzeitig bin ich Gründer und Projektleiter von JUSTICE & WÜRDE, einer Initiative, die im August 2026 ihre praktische Arbeit in Sachsen aufnimmt. Das Projekt wird von der Stiftung EVZ unterstützt und in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Partnern umgesetzt. Im Mittelpunkt stehen Menschenrechtsbildung, demokratische Bildung, Erinnerungskultur, die Auseinandersetzung mit Diskriminierung, gesellschaftlicher Dialog und die Stärkung bürgerschaftlicher Teilhabe.

Darüber hinaus beschäftige ich mich mit historischen Themen und Erinnerungskultur, unter anderem durch Recherche, fotografische Dokumentation sowie die Arbeit mit persönlichen Geschichten, Texten und Gedichten. Dabei geht es mir darum, historische Erfahrungen sichtbar zu machen, ihre Bedeutung für die Gegenwart zu reflektieren und einen Raum für gesellschaftlichen Austausch zu schaffen.

In den vergangenen Jahren habe ich außerdem an verschiedenen nationalen und internationalen Programmen und Netzwerken teilgenommen, darunter:

  • European Forum Alpbach 2026 – Stipendiat
  • World Bank Group Youth Summit 2026 – ausgewählter Delegierter
  • CEELI Institute – Strategic Litigation Training
  • Justice Leaders Alliance
  • OFAJ/DFJW – Programme im Bereich Jugenddialog und europäische Zusammenarbeit
  • Erasmus+ – Programme zu Bildung, Jugend und Demokratie
  • Stiftung EVZ – Programme im Bereich Erinnerungskultur und Menschenrechte
  • Betzavta – demokratische Bildungs- und Moderationsausbildung

Diese Erfahrungen ermöglichen es mir, juristisches und politisches Wissen, politische Bildung, meine eigene Migrationserfahrung, historische Auseinandersetzung und gesellschaftliches Engagement miteinander zu verbinden.

 

Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?

Viele Erfahrungen haben mich zu diesem Engagement geführt: mein Leben in Bautzen, Dresden und Sachsen; das Zugehörigkeitsgefühl, das ich zu dieser Region entwickelt habe; persönliche Erfahrungen mit Diskriminierung und gesellschaftlichen Herausforderungen; die Geschichte dieser Region; und nicht zuletzt die Begegnung mit vielen engagierten und verantwortungsbewussten Menschen in Ostdeutschland.

Eine besondere Rolle spielte dabei auch meine Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur. Besuche ehemaliger Orte von Zwangsarbeit und Haft haben mich tief geprägt. Dort Geschichte nicht nur aus Büchern zu kennen, sondern an historischen Orten zu stehen, Spuren der Vergangenheit zu sehen und sich mit den Erfahrungen und dem Leid der Menschen auseinanderzusetzen, hat mir erneut gezeigt, wie wichtig es ist, Erinnerung lebendig zu halten und aus der Geschichte Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.

Ich bin dabei sowohl mit den schwierigen Seiten dieser Gesellschaft als auch mit Menschen in Kontakt gekommen, die sich mit großer Überzeugung für Menschlichkeit, Demokratie und ein friedliches Zusammenleben einsetzen.

 

Diese Erfahrungen haben mich dazu bewegt, nicht nur über Veränderung zu sprechen, sondern selbst Teil dieser Veränderung zu sein.

JUSTICE & WÜRDE ist genau aus diesem Punkt heraus entstanden: aus der Erfahrung eines Migranten, aus meinem juristischen Wissen, aus meinem Glauben an den Dialog und aus der Überzeugung, dass Demokratie nicht allein in geschriebenen Gesetzen existiert, sondern im alltäglichen Umgang der Menschen miteinander entsteht.

 

Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?

JUSTICE & WÜRDE verbindet meine juristische Expertise mit demokratischer Bildung, gesellschaftlichem Engagement sowie der Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur und Geschichte. Im Mittelpunkt steht die Verbindung dieser Bereiche, um Menschenrechtsbildung und demokratische Teilhabe praktisch erfahrbar zu machen.

Die Initiative umfasst Workshops und Aktivitäten zu Menschenrechten, Grundrechten, Antidiskriminierung, Erinnerungskultur, interkulturellem Dialog, bürgerschaftlicher Teilhabe und der Stärkung des Rechtsbewusstseins.

Dabei verbinde ich mein juristisches Wissen und meine praktische Erfahrung mit Methoden der non-formalen Bildung, insbesondere mit Ansätzen wie Betzavta. Ziel ist es, dass Menschen Demokratie nicht nur als theoretisches Konzept kennenlernen, sondern sie durch Dialog, Reflexion und gemeinsames Handeln unmittelbar erfahren.

Es geht mir darum, Menschen nicht nur über ihre Rechte zu informieren, sondern sie auch darin zu stärken, ihre eigene Rolle und Verantwortung bei der Gestaltung einer demokratischen, inklusiven und solidarischen Gesellschaft zu erkennen.

Darüber hinaus engagiere ich mich bei Willkommen in Bautzen e.V. in der rechtlichen Begleitung von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, bei der Übersetzung und interkulturellen Kommunikation, bei administrativen Angelegenheiten sowie bei der Verbesserung des Zugangs zu Informationen und rechtlichen Ansprüchen.

 

Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?

Weil Sachsen für mich von Bedeutung ist.

Sachsen ist für mich nicht nur ein Ort, an dem ich lebe. Diese Region hat meine persönliche Entwicklung und meinen Lebensweg in Deutschland wesentlich geprägt. In gewisser Weise empfinde ich Sachsen wie eine Mutter, die einen Teil dazu beigetragen hat, dass ich mich hier neu verwurzeln konnte. Daraus ist für mich auch eine besondere Verbundenheit und Verantwortung gegenüber dieser Region entstanden.

Wie jede Gesellschaft hat auch Sachsen seine eigenen Chancen und Herausforderungen. Neben Problemen wie Diskriminierung, einem teilweise schwindenden gesellschaftlichen Vertrauen und bestimmten extremistischen Tendenzen leben hier zugleich sehr viele Menschen, die sich mit großem Engagement für Demokratie, ein friedliches Zusammenleben und eine offene Gesellschaft einsetzen.

Meine persönlichen Erfahrungen in Sachsen haben mir gezeigt, dass diese Region nicht auf eine einzige Erzählung reduziert werden kann. Neben bestehenden Herausforderungen gibt es hier zahlreiche Menschen, die mit Offenheit, Verantwortungsbewusstsein und einem starken Glauben an die Werte der Menschlichkeit gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Mein Ziel ist es, zu einem differenzierten und realistischen Bild Sachsens beizutragen – zu einem Bild, das zeigt, dass diese Region nicht nur durch ihre Herausforderungen geprägt ist, sondern auch über ein großes Potenzial für Menschlichkeit, Zusammenarbeit und positive Veränderung verfügt.

Wie viele engagierte zivilgesellschaftliche Organisationen und Initiativen in Sachsen möchte auch ich dazu beitragen, eine inklusivere, gerechtere und von gegenseitigem Respekt geprägte Gesellschaft zu stärken – eine Gesellschaft, in der Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte nicht gegeneinander, sondern miteinander leben und gemeinsam Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen.

 

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?

Dank engagierter Kolleginnen und Kollegen, aktiver zivilgesellschaftlicher Organisationen und vieler Menschen, die Verantwortung übernehmen, gibt es wertvolle Möglichkeiten für Zusammenarbeit und gemeinsames Engagement.

Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen. Dazu gehören unter anderem die teilweise geringe Beteiligung junger Menschen, begrenzte Räume für einen echten und offenen Dialog zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, ein teilweise schwindendes Vertrauen innerhalb der Gesellschaft sowie die Schwierigkeit, Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen. Es ist nicht immer einfach, einen konstruktiven Dialog zwischen Menschen zu ermöglichen, deren Erfahrungen, Lebensrealitäten und Überzeugungen sehr unterschiedlich sind. Genau an diesem Punkt wird zivilgesellschaftliches Engagement jedoch besonders wichtig.

Ich bin davon überzeugt, dass diese Herausforderungen kein Grund sind, stehen zu bleiben. Im Gegenteil: Sie sind für mich ein zusätzlicher Ansporn, den Dialog fortzuführen, Bildung und Begegnung zu fördern, Brücken zwischen Menschen zu bauen und demokratische Teilhabe zu stärken.

 

Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?

Digitale Medien gehören heute zu den wichtigsten Räumen, in denen öffentliche Meinungsbildung, gesellschaftliche Kommunikation und zunehmend auch politische Teilhabe stattfinden.

Sie bieten große Chancen für Bildung, Aufklärung, die Sichtbarkeit weniger gehörter Stimmen und die Stärkung demokratischer Beteiligung.

 

Gleichzeitig können digitale Medien ohne ausreichende Medienkompetenz auch zur Verbreitung von Desinformation und Hassrede, zur gesellschaftlichen Polarisierung und zur Schwächung des öffentlichen Vertrauens genutzt werden.

Demokratie zu schützen bedeutet heute daher nicht mehr nur, sich im analogen Raum für demokratische Werte einzusetzen. Auch der digitale Raum ist zu einem wichtigen Feld geworden, in dem Menschenrechte, Freiheit und Menschenwürde geschützt und verteidigt werden müssen.

Ergänzend zu meiner bisherigen Arbeit möchte ich künftig ein eigenständiges, zeitlich begrenztes Projekt zu digitaler Demokratie, digitalen Rechten und der Rolle von Technologie für bürgerschaftliche Teilhabe entwickeln. Denn ich bin überzeugt, dass Menschenrechtsschutz im digitalen Zeitalter auch den Schutz der Rechte und der Würde von Menschen im digitalen Raum einschließen muss.

 

Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?

Medienkompetenz ist heute weit mehr als eine technische Fähigkeit; sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Schutzes und der Stärkung unserer Demokratie.

Eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft besteht in der Verbreitung von Desinformation, extremistischen Narrativen und manipulierten Inhalten im digitalen Raum. Insbesondere junge Menschen können zum Ziel von Akteuren und Strukturen werden, die versuchen, über soziale Medien Emotionen zu manipulieren und extremistische Einstellungen zu fördern oder zu verstärken.

Eine demokratische Gesellschaft braucht daher nicht nur Bürgerinnen und Bürger, die ihr Wahlrecht ausüben können. Sie braucht Menschen, die in der Lage sind, Informationen kritisch zu analysieren, Quellen zu überprüfen und auf dieser Grundlage verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen.

Eine Demokratie ohne informierte und verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger bleibt gegenüber Desinformation, Manipulation und Extremismus besonders verwundbar.

 

Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen

Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches

Engagement und demokratische Teilhabe?

Die Herausforderungen sind erheblich – von der Verbreitung von Desinformation bis hin zur gezielten Nutzung sozialer Medien zur Verbreitung von Hass, Rassismus und Extremismus. Manchmal können Botschaften, die auf den ersten Blick harmlos oder einfach erscheinen, mit der Zeit Ängste verstärken, gesellschaftliche Spaltungen vertiefen und die Distanz zwischen unterschiedlichen Gruppen vergrößern.

Gleichzeitig bieten digitale Medien auch große Chancen. Sie können Menschen und Gruppen, deren Stimmen bislang weniger gehört wurden, ermöglichen, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen und selbst zu Wort zu kommen. Sie können Menschenrechtsbildung, interkulturellen Dialog und gesellschaftliche Teilhabe stärken.

Deshalb sollte es nicht nur darum gehen, die Probleme des digitalen Raums zu bekämpfen. Vielmehr sollten wir seine Potenziale nutzen, um eine informiertere, dialogfähigere und demokratischere Gesellschaft zu gestalten.

 

Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder

beobachten?

Mein Ziel war es immer, Brücken zu bauen: Brücken zwischen Recht und Menschen, zwischen Menschen mit Migrationsgeschichte und der Aufnahmegesellschaft sowie zwischen Vergangenheit und Zukunft.

In den vergangenen Jahren habe ich mich dafür eingesetzt, Menschen mit ihren Rechten, mit rechtlichen Zusammenhängen, mit gesellschaftlicher Verantwortung und mit der Bedeutung gegenseitigen Respekts vertraut zu machen.

In meiner rechtlichen und zivilgesellschaftlichen Arbeit habe ich erlebt, dass manchmal bereits ein einfaches Gespräch, eine rechtliche Orientierung oder menschliche Unterstützung eine große Wirkung im Leben eines Menschen haben kann.

Auch heute geht es mir darum, Räume für ein friedliches Zusammenleben, für Dialog, für die Auseinandersetzung mit Geschichte und für den Schutz der Menschenrechte zu schaffen. Ich bin überzeugt, dass eine Gesellschaft dann vorankommt, wenn Menschen trotz ihrer Unterschiede miteinander ins Gespräch kommen und Unterschiede nicht als Anlass für Angst verstehen, sondern als Möglichkeit nutzen, einander besser kennenzulernen.

 

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?

Mein langfristiges Ziel ist es, die Arbeit von JUSTICE & WÜRDE von Sachsen auf weitere ostdeutsche Bundesländer auszuweiten und perspektivisch auch Verbindungen zu anderen

Teilen Deutschlands aufzubauen.

Ich möchte ein Netzwerk aus Menschen, Organisationen und zivilgesellschaftlichen Initiativen fördern, das Brücken zwischen Ost- und Westdeutschland baut – auf der Grundlage von Dialog, gegenseitigem Respekt, gemeinsamen Erfahrungen und demokratischen Werten.

Dabei geht es mir letztlich nicht nur um die Ausweitung eines einzelnen Projekts, sondern vor allem darum, Menschen miteinander zu verbinden und eine Kultur der gesellschaftlichen Teilhabe zu stärken.

Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderungen entstehen, wenn Menschen und Gemeinschaften voneinander und miteinander lernen, Erfahrungen teilen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

 

Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder

auszuweiten?

Zivilgesellschaftliches Engagement braucht unterschiedliche Formen der Unterstützung, um nachhaltig wachsen und eine größere Wirkung entfalten zu können – von verlässlichen finanziellen Rahmenbedingungen über Kooperationen und Vernetzung bis hin zu konkreten Umsetzungsmöglichkeiten und der Unterstützung durch Menschen und Institutionen, die an die Bedeutung dieses Engagements glauben.

Viele soziale Initiativen entstehen aus kleinen Ideen und dem persönlichen Engagement Einzelner. Damit daraus langfristig eine größere Wirkung entstehen kann, braucht es jedoch auch geeignete Strukturen, Ressourcen und verlässliche Partnerschaften.

Gleichzeitig ist für mich eine der wichtigsten Formen der Unterstützung gesellschaftliches Vertrauen und die Anerkennung des Wertes zivilgesellschaftlichen Engagements. Denn nachhaltige Veränderungen beginnen immer bei Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv für eine bessere Gesellschaft einzusetzen.

 

Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich

engagieren möchten?

Man sollte sich beteiligen. Man sollte seine Stimme erheben. Man sollte in den Dialog treten. Durch Schweigen wird kein Problem gelöst. Veränderung beginnt dort, wo Menschen bereit sind, sich respektvoll zusammenzusetzen und auch über schwierige Themen miteinander zu sprechen.

Man sollte nicht darauf warten, dass immer andere Veränderungen bewirken. Jeder Mensch kann aus seiner eigenen Position heraus etwas bewegen – selbst mit einem kleinen Schritt. Ich bin überzeugt, dass Gesellschaften durch friedlichen und menschlichen Dialog verändert werden, nicht durch Ausgrenzung oder Feindseligkeit.

Auch ich selbst habe bereits ausführliche und friedliche Gespräche mit Menschen geführt, die sehr unterschiedliche politische und gesellschaftliche Ansichten vertreten, darunter auch Menschen mit rechtsextremen Positionen. Ich tue dies, weil ich davon überzeugt bin, dass ein sachlicher und menschlicher Dialog dazu beitragen kann, Mauern abzubauen und Möglichkeiten für gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Dialog bedeutet selbstverständlich nicht, Diskriminierung oder Hass zu akzeptieren. Vielmehr bedeutet er, für Menschenwürde, Menschenrechte und demokratische Werte einzustehen – auf eine demokratische, respektvolle und friedliche Weise.

 

Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten?

Ich habe das Gefühl, dass Sachsen und die ostdeutschen Bundesländer das Engagement von uns allen brauchen.

 

Es gibt Herausforderungen – wie in jeder anderen Gesellschaft auch. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir diese Herausforderungen durch Zusammenarbeit, Dialog und gemeinsames Engagement gemeinsam bewältigen und Schritt für Schritt verringern können.

Ich betrachte Sachsen nicht nur aus der Perspektive seiner Herausforderungen. Diese Region ist auch geprägt von vielen Menschen, die sich mit großer Überzeugung für Demokratie, Solidarität und Menschlichkeit einsetzen.

Ich wünsche mir, dass Sachsen und Ostdeutschland in Zukunft nicht nur als Regionen mit Herausforderungen wahrgenommen werden, sondern auch als Orte, die für Menschlichkeit, Zusammenarbeit, die Anerkennung von Vielfalt und die Kraft des gesellschaftlichen Dialogs in Europa stehen.

Dieser Weg ist nicht einfach. Aber er ist möglich.

 

Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen

erhalten?

 

Interessierte können über die E-Mail-Adresse justicewuerde@gmail.com und die Social- Media-Kanäle von JUSTICE & WÜRDE mit uns in Kontakt treten.

 

Durch die Suche nach dem Namen JUSTICE & WÜRDE in den sozialen Netzwerken können sie weitere Informationen über unsere Aktivitäten, Programme, Veranstaltungen und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit finden.

Auch Menschen, die sich für eine Zusammenarbeit in den Bereichen Menschenrechte, demokratische Bildung, gesellschaftlicher Dialog, Erinnerungskultur und bürgerschaftliches Engagement interessieren, sind herzlich eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen.