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Christian Krentel-Seremet | KulturLoge Dresden

Zwischen Verwaltung, Unternehmertum und Ehrenamt: Wie Engagement Demokratie stärkt

Zwischen Verwaltung, Unternehmertum und Ehrenamt: Wie Engagement Demokratie stärkt

Christian Krentel-Seremet erzählt, warum er gesellschaftliches Engagement nicht nur als Kampf gegen Probleme versteht, sondern als Aufbau positiver Alternativen. Das Gespräch führt von der KulturLoge Dresden über Medienkompetenz und Ehrenamt bis zu der Frage, wie junge Menschen Demokratie durch eigenes Handeln erfahren können. 

Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Ich heiße Christian Krentel-Seremet, wohnhaft in Dresden und bin Jurist und Verwaltungsbeamter.

 

In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?

Nach meinem Ausscheiden aus dem aktiven Beamtendienst bin ich einerseits Pensionär, andererseits selbstständiger Unternehmer

 

Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?

Als Beamter wollte ich mit meinen Kompetenzen sinnvoll für die Gesellschaft arbeiten. Ich glaube an den Begriff ,good governance‘, wonach staatliches Handeln dem Wohl aller Bürger verpflichtet ist.

Als Unternehmer wollte ich einerseits Geld verdienen, andererseits meine bis dahin erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen einbringen können und weiterhin aktiv sein.

Darüber hinaus bin ich ehrenamtlich engagiert als Vorstandsvorsitzender der KulturLoge Dresden, als Vorstand des Kulturbüros Dresden und als Beisitzer im Vorstand des Bundesverbands Kulturelle Teilhabe (BVKT).

 

Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?

Als Unternehmer, der Partner im Unternehmen hat, kümmere ich mich gemeinsam mit den Partnern um die strategischen Fragen des Unternehmens, alle Rechtsangelegenheiten und die Repräsentation nach außen.

 

Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?

Ich bin an verschiedenen Unternehmen beteiligt. Eine Firma ist nicht in Sachsen ansässig, sondern in Thüringen. Eine weitere, kürzlich gegründete Firma kümmert sich um die Vermittlung von Fachkräften aus dem Ausland an deutsche Arbeitgeber. Auch in Sachsen herrscht Fachkräftemangel, der nur durch Zuzug aus dem Ausland gedeckt werden kann. Gelingt dies nicht, hat das negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand im Land, auch wenn das viele nicht erkennen wollen. Hier versuchen wir zu unterstützen und gleichzeitig ein weltoffenes Klima in Sachsen zu schaffen.

 

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld, die Auswirkungen weltweiter politischer Entscheidungen, schlagen unmittelbar auf die konkrete wirtschaftliche Betätigung vor Ort durch. Corona-Maßnahmen, Energiepreisentwicklung, Lieferkettenprobleme, Ölpreissteigerungen, all diese Punkte haben unmittelbaren Einfluss auf ein Unternehmen. Man ist ständig dabei, Probleme zu lösen, die ohne diese Entscheidungen nicht da wären. Wobei ich die Corona-Maßnahmen doch davon ausnehmen möchte. Sie haben viel Geld gekostet, waren aber meines Erachtens notwendig.

 

Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit? 

Wir nutzen digitale Angebote im Wesentlichen für unsere eigenen Firmenauftritte. Das normale Programm, Website, Social Media, um Kunden und Geschäftspartner zu gewinnen. Medienkompetenz ist hier wichtig, vor allem, wenn man am Anfang viele Dinge selber machen muss.

Meine Medienkompetenz ist nicht so ausgeprägt. Ich bin ein interessierter Nutzer. Unsere Auftritte werden von den Partnern in der Firma gestaltet.



Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?

Medien, in ihrer gesamten Breite von herkömmlichen Medien (Zeitungen, Magazine, Fernsehen und Rundfunk) über neuere Formate wie Podcasts oder Streaming bis hin zu allen weiteren Angeboten der digitalen Medien sind konstituierend für eine Demokratie. Freie und ungehinderte Wissensvermittlung an die Menschen, aber auch freie und das heißt auch unkontrollierte Kommunikation unter den Menschen sind wesentliche Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie.

 

Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?

Medienkompetenz beim Erschaffen und Nutzen digitaler Medien ist natürlich zunächst entscheidend. Hier gibt es dauerhaften Schulungsbedarf, da sich auch die Medien im Gleichschritt mit der technologischen Entwicklung im IT-Bereich, gerade insbesondere bei der KI, sehr schnell weiterentwickeln. Hierin, und darin, die dafür notwendige Zeit aufzubringen – zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe finden ja ganz überwiegend ehrenamtlich statt – liegt sicher die größte Herausforderung.

Die Chancen korrespondieren mit der oben beschriebenen Notwendigkeit dieser Themen für die Zivilgesellschaft und Demokratie.

 

Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?

Diese Frage zielt natürlich insbesondere auf meine ehrenamtliche Tätigkeit ab. Im Bereich der KulturLoge vermittelten wir im Jahr 2025 ca. 14500 freie Plätze kostenlos an Menschen, die sich den Eintritt sonst nicht leisten können. Wir haben damit nicht nur ebenso viele bereichernde Kulturerlebnisse, sondern auch einen gesellschaftlichen Mehrwert geschaffen, indem wir Wertschätzung und Zugehörigkeit vermittelt und damit zur Stabilität einer demokratisch organisierten Gesellschaft beigetragen haben.

Im Bereich des Kulturbüros helfen wir vornehmlich jungen Menschen, Selbstwirksamkeitserfahrungen in einer Demokratie zu sammeln. Zur Akzeptanz von Demokratie gehört nicht nur, dass diese ihre (Wohlstand-)Versprechen an die Menschen erfüllt, sondern auch, dass sie ihr Versprechen erfüllt, dass aktive Teilhabe auch tatsächlich etwas bewirkt. Wer das nie erlebt hat, versteht auch Sinn und Nutzen von Demokratie nicht.

 

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?

Mein Ziel, bei (fast) allen meinen Tätigkeiten, ist es, zum Gelingen einer demokratische organisierten Gesellschaft beizutragen. Dies gelingt durch wirtschaftlichen Erfolg einerseits, durch Solidarität im In- und Ausland andererseits. Hier versuche ich mit meinen begrenzten persönlichen Mitteln einen Beitrag zu leisten

 

Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?

Um es kurz zu sagen: Geld! 

Ehrenamtliche Arbeit ist meines Erachtens für eine funktionierende demokratische Gesellschaft genauso wichtig wie freie Medien und eine gut funktionierende, am Wohl aller Bürger ausgerichtete Verwaltung (s.o. good governance). Ehrenamtliche Arbeit braucht aber professionelle Strukturen im Hintergrund und die müssen finanziert werden.

Darüber hinaus würde ich mir weniger ideologisches Gezänk zwischen den demokratischen Parteien wünschen. Insbesondere der Vorwurf konservativer Parteien, die Demokratie fördernden Vereine seien zu links und würden nur linke Strukturen stärken, daher müsse man sie durch Geldentzug bis zur Selbstaufgabe schwächen, ist meines Erachtens absurd und für eine in Frage gestellte Demokratie existenzgefährdend.

 

Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?

Ich sehe tatsächlich großes Engagement bei vielen jungen Menschen. Durch aktives Tun, aber auch in der inneren Haltung zu den Themen und Werten, die eine liberale Demokratie braucht. Ich sehe, dass junge Menschen mitbestimmen und nicht fremdbestimmt werden wollen durch autoritäre Strukturen.

Eine Empfehlung ist, begeistert Euch weiterhin für diese freie Gesellschaft, denn Begeisterung setzt Kräfte frei. Und richtet Euch darauf ein, dass Teilhabe und Engagement Kraft kosten, im aktiven Tun aber auch im Aushalten, dass nicht alle Ziele Wirklichkeit werden. Und gebt nicht auf, man muss immer dranbleiben.

 

Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten?

Meine Lebenserfahrung ist: Ja, manchmal muss man gegen etwas ankämpfen um Schlimmes zu verhindern. Im Allgemeinen ist die eigene (begrenzte) Kraft jedoch sinnvoller und effektiver eingesetzt, indem man nicht etwas bekämpft, sondern etwas Gutes danebenstellt. Diese positive Kraft inspiriert auch andere.

 

Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?
(Kontaktmöglichkeiten, Website, Social Media, Spendenmöglichkeiten etc.)

Die KulturLoge Dresden ist ein Projekt von Bürgern für Bürger. Sie hilft, die staatliche und kommunale Kulturförderung in der Stadt möglichst effektiv umzusetzen (freie Plätz werden vermittelt) und sie auch denen zu Gute kommen zu lassen, die idR über ihre finanzielle Situation vermittelte Einschränkungen bei der kulturellen und sozialen teilhabe haben. Es ist ein Projekt von Bürgern für Bürger und lebt von ehrenamtlichem Engagement vieler. Wer mitwirken will, ist herzlich eingeladen. Aber auch Spenden sind herzlich willkommen, denn, ich wiederhole mich gerne, auch das Ehrenamt braucht professionelle Strukturen. Wir starten im Oktober/November eine große Spendenkampagne, um fehlende Mittel der öffentlichen Förderung auszugleichen. Hier sind alle eingeladen sich zu beteiligen. Oder ab heute schon direkt zu spenden. Alle Informationen finden sich auf der Website: KulturLoge Dresden – KulturLoge Dresden e.V.