Annika & Lorenz | Projekt Kompass der Kindervereinigung Leipzig e. V.

Ein Kompass für den kritischen Umgang mit Extremismus und Fake News online
Ein Kompass für den kritischen Umgang mit Extremismus und Fake News online
Könntet ihr euch bitte kurz vorstellen?
Wir sind Lorenz und Annika vom Projekt Kompass in Leipzig. Lorenz hat Erziehungswissenschaft studiert und Annika Soziale Arbeit.
In welcher Funktion seid ihr aktuell tätig?
Wir sind Projektmitarbeitende vom Projekt Kompass der Kindervereinigung Leipzig e.V.
Was hat euch dazu bewogen, euch in diesem Bereich zu engagieren?
Wir beobachten gerade eine starke Zunahme versuchter Einflussnahme durch Ideologische Gefährdungen in Social Media. In dem Projekt sehen wir die Möglichkeit Kinder und Jugendliche darüber aufzuklären und durch Wissen zu schützen.
Welche konkreten Tätigkeiten umfasst eure Arbeit?
Unsere Arbeit umfasst die Konzeption und Durchführung von Workshops an Schulen, in Jugendclubs sowie mit Multiplikator*innen. Dabei setzen wir uns mit Themen wie Rechtsextremismus, religiös begründetem Extremismus, Verschwörungserzählungen und Fake News auseinander. Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Tätigkeit ist die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen.
Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?
Für uns ist es wichtig, mit Kindern und Jugendlichen über ihre Lebenswelt ins Gespräch zu kommen. Wir möchten uns mit ihnen austauschen, was ihnen alltäglich auf Social Media begegnet und es gemeinsam einordnen. Dies finden wir, auch unabhängig von Sachsen, sehr wichtig. Dennoch kann festgehalten werden, dass sich in den letzten Jahren, besonders in Sachsen, die Diskurse radikalisiert haben und häufig mit menschenfeindlichen Haltungen verbunden sind. Es ist wichtig, sich dem entgegenzustellen und Jugendliche in einer kritischen Auseinandersetzung zu bestärken.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?
Zu einer der größten Herausforderungen unserer Arbeit gehören die unsichere Finanzierung sowie die begrenzten personellen Ressourcen eines kleinen Teams. Gleichzeitig verändern sich digitale Plattformen, Trends und Kommunikationsformen sehr schnell, sodass es schwierig ist, bei aktuellen Entwicklungen, neuen Phänomenen und digitalen Risiken auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Auch die Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen stellt uns vor Herausforderungen. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Schüler*innen bringen häufig verschiedene Perspektiven, Erwartungen und Meinungen zu den Themen mit. Dies erfordert einen sensiblen, wertschätzenden und fachlich fundierten Umgang mit kontroversen Diskussionen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns täglich mit belastenden Inhalten, was eine stetige Reflexion erfordert.
Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?
Digitale Angebote und die Förderung von Medienkompetenz spielen in unserer Arbeit eine zentrale Rolle. Alle unsere Angebote beziehen sich auf den digitalen Raum, da sich viele Kinder und Jugendliche dort täglich aufhalten und soziale Medien ein großer Teil ihrer Freizeit ist. Gleichzeitig bieten digitale Plattformen einen leichten Zugang für Radikalisierungsangebote, Desinformation und Verschwörungserzählungen. Um darüber mit Jugendlichen gut ins Gespräch zu kommen, nutzen wir medienpädagogische Methoden und Tablets in unseren Workshops. Wir verfolgen aktuelle Entwicklungen auf Social Media und betreiben einen Instagram-Account, der sich gezielt an Jugendliche richtet.
Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?
Wir finden, dass es ein sehr essentieller Teil zivilgesellschaftlicher Arbeit ist, dem in den letzten Jahren zu wenig Beachtung geschenkt wurde. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass Social Media stark von demokratiefeindlichen Creator*innen bespielt wird und sie dabei auch enorme Reichweiten erlangen. Dem etwas entgegenzusetzen, ist wichtig!
Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?
Aus unserer Sicht ist eine der größten Herausforderungen, dass sich viele Akteur*innen noch zu wenig mit den aktuellen Entwicklungen in den sozialen Medien und der Lebenswelt junger Menschen beschäftigen. Plattformen und Trends verändern sich sehr schnell. Dadurch erreichen demokratiefeindliche Inhalte Jugendliche oft früher als präventive Angebote. Gleichzeitig sehen wir darin aber auch eine große Chance: Social Media ermöglicht es, Kinder und Jugendliche zu erreichen, die über klassische Bildungs- oder Präventionsangebote oft gar nicht angesprochen werden.
Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?
Wir erleben in unserer Arbeit häufig, dass sich Debattenräume eröffnen und Diskurse ermöglicht werden, die im klassischen Schulalltag keinen Platz finden. Außerdem wird natürlich eine Sensibilisierung für radikale Inhalte und Fake News erreicht. Wir erhalten oft positives Feedback von den Teilnehmer*innen, dass sie viel Neues gelernt haben und über Themen sprechen konnten, für die im Schulalltag sonst kein Raum ist.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?
Unser langfristiges Ziel ist es, präventiv zu wirken, indem wir Kinder und Jugendliche für die oben genannten Themen sensibilisieren und ihre Medienkompetenz fördern. Sie sollen sich selbstständig sicher im digitalen Raum bewegen können und potentielle Gefährdungen erkennen können.
Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?
Wir bräuchten eine stabile sichere Finanzierung und vor allem mehr Mitarbeiter*innen im Team.
Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?
Vernetzt euch, probiert euch aus und unterstützt Initiativen, die zu euch passen. Gerade in der heutigen Zeit braucht es viele Menschen, die sich zivilgesellschaftlich engagieren.
Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?
E-Mail: kompass@kv-leipzig.de
instagram: projekt_kompass_leipzighttps
Spendenkonto: kv-leipzig.de/wir/spendenkonto