Elli Martius | Stadträtin Dresden SPD-Fraktion

Engagement in der Kommunalpolitik - Als Stimme für junge Menschen
Engagement in der Kommunalpolitik - Als Stimme für junge Menschen
Ein Interview mit Elli Martius, Dresdner Stadträtin und Sprecherin der SPD-Fraktion für Energie, Umwelt und Kultur, über Erfolge und Herausforderungen kommunaler Gremienarbeit, Engagement als Stütze und Möglichkeit zum persönlichen Wachstum und die Frage, wie junge Stimmen ihren Platz in der Politik finden.
Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?
Mein Name ist Elli Martius. Ich studiere Informationssystemtechnik an der TU Dresden und lebe in Dresden.
In welcher Funktion sind Sie aktuell tätig?
Ich bin ehrenamtlich Stadträtin in Dresden und bin Sprecherin der SPD-Fraktion für die Themen Energie, Umwelt und Kultur.
Was hat Sie dazu bewogen, sich in diesem Bereich zu engagieren?
In meinem Ehrenamt habe ich gelernt, wie wichtig es ist, politisch zu sein – und wie entscheidend es ist, dass die eigene Stimme in den Gremien vertreten wird, die über das eigene Leben mitentscheiden. Das hat mich dazu bewogen, mein Engagement zu nutzen, um jungen Menschen und insbesondere jungen Frauen im Dresdner Stadtrat eine Stimme zu geben.
Welche konkreten Tätigkeiten umfasst Ihre Arbeit?
Der wichtigste Teil meiner Arbeit ist der Austausch mit Institutionen, Vereinen und Interessenvertreter*innen. Dieser Austausch bildet die Grundlage für meine Gremienarbeit, in der ich mich mit Verwaltungsvorlagen und Anträgen anderer Fraktionen auseinandersetze.
Warum ist Ihre Arbeit insbesondere für Sachsen von Bedeutung?
Ich halte es für hochrelevant, dass die Gremien in Sachsen nicht veralten, damit die Politik zukunftsgerichtet bleibt. Es braucht in den Gremien ein gutes Abbild der Gesellschaft – nur so lassen sich die Interessen der Bürger*innen sinnvoll umsetzen.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Tätigkeitsbereich?
Die größte Herausforderung sind die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat, die es kompliziert machen, tragfähige Mehrheiten für wichtige Beschlüsse zu organisieren. Das führt mitunter dazu, dass wichtige Beschlüsse wegen fehlender Kompromissfindung verzögert werden, was zu Unsicherheiten bei den Betroffenen führt. Außerdem empfinde ich das Gesprächsklima im Rat als zunehmend populistisch und teils unkollegial, was den politischen Dialog vergiftet.
Welche Rolle spielen digitale Angebote und Medienkompetenz in Ihrer Arbeit?
Digitale Angebote spielen für mich vor allem eine Rolle darin, Gremienarbeit zugänglicher zu machen – etwa durch digitale Sitzungsunterlagen oder Informationskanäle, über die Bürger*innen unkompliziert erfahren, was im Stadtrat verhandelt wird. Medienkompetenz brauche ich täglich, um Informationen einzuordnen, Falschdarstellungen zu erkennen und komplexe Sachverhalte verständlich zu kommunizieren.
Wie wichtig ist Medienkompetenz für zivilgesellschaftliches Engagement?
Medienkompetenz ist eine Grundvoraussetzung für Engagement, weil sie Menschen befähigt, sich unabhängig zu informieren, Quellen zu bewerten und selbst Position zu beziehen. Ohne sie wird politische Teilhabe schnell zur bloßen Reaktion auf das, was andere vorgeben.
Welche Herausforderungen und Chancen beobachten Sie im Umgang mit digitalen Medien und Medienkompetenz – insbesondere im Hinblick auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Teilhabe?
Digitale Medien senken die Hürde, sich zu informieren und einzumischen, erheblich – gerade für junge Menschen, die sonst keinen Zugang zu klassischen Gremienstrukturen hätten. Die Kehrseite ist die Verbreitung von Desinformation und die Vereinfachung komplexer politischer Fragen auf plakative Aussagen. Deshalb braucht es sowohl Angebote, die Beteiligung digital einfacher machen, als auch gezielte Bildung, die Menschen befähigt, digitale Informationen kritisch einzuordnen.
Welche positiven Veränderungen konnten Sie durch Ihre Arbeit bewirken oder beobachten?
Ich habe das Gefühl, für Akteurinnen und Akteure in Dresden eine verlässliche Ansprechperson zu sein und sie dadurch in ihrer Arbeit unterstützen zu können. Gerade in der Kulturförderung konnten wir gemeinsam Kürzungen abwenden, die die Arbeit wichtiger Vereine gefährdet hätten.
Gleichzeitig bekomme ich regelmäßig von jungen Menschen die Rückmeldung, dass sie sich freuen, ihre Perspektiven in diesem Rat vertreten zu sehen. Auch dieses Gefühl von Repräsentation ist für mich eine wichtige positive Wirkung meiner Arbeit.
Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?
Mein Hauptziel ist es, mit meiner Arbeit Menschen in Dresden zu unterstützen und jungen Menschen zu zeigen, dass sie die nötigen Kompetenzen haben, selbst Gremienarbeit zu machen. Solange ich das Gefühl habe, das leisten zu können, möchte ich diese Arbeit fortführen – wenn nicht in diesem Ehrenamt, dann auf anderem Weg.
Welche Unterstützung wäre erforderlich, um Ihre Arbeit zu intensivieren oder auszuweiten?
Ich habe bereits ein breites Netzwerk an Menschen, die mich unterstützen. Die wichtigste Ressource in meinem Ehrenamt ist immer Zeit, die sich leider schwer ausweiten lässt. Besonders freue ich mich aber immer, wenn mir konkrete Ideen oder Ziele gespiegelt werden, die ich auch realistisch in den Rat einbringen kann. Das weitet meinen eigenen Blick, da ich selbst natürlich nicht alle Themen mitbekommen kann.
Welche Empfehlung würden Sie jungen Menschen oder Interessierten geben, die sich engagieren möchten?
Mein größter Anker am Anfang war eine Jugendorganisation, in der ich mich mit anderen jungen Menschen austauschen, diskutieren und gegenseitig weiterbilden konnte. Ein gutes Netzwerk an Menschen, die mich unterstützt haben, hat mich stets ermutigt, meine Meinung zu sagen und weitere Aufgaben zu übernehmen.
Gibt es noch etwas, das Sie gerne mitteilen möchten?
In Zeiten der Unsicherheit ist Engagement eine gute Stütze – egal, wie dieses Engagement aussieht: bei der Feuerwehr, in einem Verein oder in einer Partei. Gerade junge Menschen sollten die Angst ablegen, nicht die nötigen Kompetenzen für ein solches Engagement zu haben. In alles kann man mit Interesse hineinwachsen, und Alter bringt nicht automatisch Kompetenz.
Wie können Interessierte Ihr Projekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten?
Ich freue mich immer über Feedback und Impulse zu meiner Arbeit. Wer sich darüber informieren oder mit mir in Kontakt treten möchte, findet mich auf Instagram (elli.martius), auf meiner Website (ellimartius.de) und über meine Fraktion (spd-fraktion/elli-martius). Dort gibt es auch weitere Kontaktmöglichkeiten.
Darüber hinaus möchte ich jedem ans Herz legen, sich selbst zu engagieren – sei es in einer Partei, einer Initiative oder einem Verein. Aus meiner Erfahrung sind es vor allem Menschen, die sich persönlich einbringen, die ehrenamtlichen Strukturen stärken und mit Leben füllen.